Frauen gehören gehört!

Gegenwärtige Konzertprogramme widmen sich zunehmend der Musik von KomponistINNEN. Clara Schumann und Fanny Mendelssohn sind inzwischen omnipräsent.

Aus der Zeit des Frühbarocks kennen wir in Italien hervorragende, öffentlich agierende Komponistinnen und Musikerinnen wie Barbara Strozzi und Francesca Caccini und einige mehr.

Doch im deutschsprachigen Raum tut sich bei näherem Hinsehen ein Vakuum auf. Denn die im Umfeld von Heinrich Schütz lebenden Komponistinnen des frühen 17. Jahrhunderts sind so gut wie nicht auffindbar, ihre Werke kaum gedruckt oder in Archiven verschollen.

Es haben außer einzelnen Kompositionen und Dichtungen („zu singen im Thone von“…) von Sophie Elisabeth und Anna Ovena Hoyer kaum musikalische Werke in unser Zeitalter hinein überlebt, auch wenn es sie natürlich gegeben hat.

Wie kommt es also zu den Unterschieden zwischen dem Deutschen Römischen Reich und Italien? Wie haben Frauen in den bürgerlichen Haushalten, in Adelshöfen, in Klöstern und auf der Straße den Dreißigjährigen Krieg erlebt?

Und welche Rolle spielten die kriegerischen Konflikte zwischen Katholiken, Lutheranern und den Reformierten, und das seit 318 n.Chr. geltende christliche Verbot der Musikausübung für Frauen „mulier tacet in ecclesia“  dabei?

Getragen von den eigenen Erfahrungen während der Corona-Pandemie lässt das Ensemble Frauenzimmer Gesprechspiele eine musikalische Welt wieder lebendig auferstehen, die seit 400 Jahren Geschichte ist. Sie nähern sich der Gedankenwelt der Frau im Frühbarock nicht nur auf musikalische, sondern auch auf spielerisch-literarische und auf soziologische Weise.

Lesend, singend, fragend, musizierend und miteinander diskutierend präsentieren sie einen verborgenen Teil der Geschichte – einen Teil der Geschichte der Frau in Europa!